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Netz ohne Gesetz…

…ist der Aufmacher des aktuellen Spiegel. Dort heißt es zum Beispiel:

So ist das Internet zwar die größte Befreiung des Geistes seit der Erfindung der Buchdruckerkunst, aber zugleich ein Massenspeicher für alle Übel, die Menschen sich ausdenken, vom schlichten Schmutz bis zu den schlimmsten Auswüchsen der Phantasie. Es ist ein Beschleuniger für Innovationen, aber eben auch für kriminelle Energien, vom Trickbetrug mit der erfundenen Geschichte einer nigerianischen Diktatorenwitwe, die dringend ein Konto braucht, auf das sie ein paar Millionen Euro überweisen kann, bis zu den härtesten Formen der Organisierten Kriminalität.

Der sogenannte Kannibale von Rotenburg fand sein Opfer in einem Internetforum. Es gibt Selbstmordtreffs, Folter- und Snuffvideos zuhauf, es gibt Amokforen, Anleitungen zum Mixen von Medikamenten- und Drogencocktails und natürlich Bombenbastelseiten. Sowohl die sogenannten Kofferbomber als auch die Sauerlandgruppe hatten die Instruktionen für ihre Höllenmaschinen aus dem Internet.

Quelle

Darüber regen sich Blogger wie Felix von wirres.net auf:

dass es all diese menscheitsübel, betrug, mord, selbstmord, bomben, drogen und medikamentenmissbrauch auch schon vor dem internet gab, muss man als spiegel-autor nicht extra betonen, klar. trotzdem frage ich mich manchmal, warum sich das internet von einer durchschnittlichen deutschen grossstadt oder boulevard-zeitung unterscheiden sollte?

Hmm… Wirklich faszinierend, wie weit manche Menschen der Realität schon entrückt sein müssen. Die durchschnittliche deutsche Großstadt unterscheidet sich in den Vorstellungen eines Netzbewohners also nicht mehr vom Internet? Schon komisch, mit meinem noch vorhandenen Real Life hab ich immer den Eindruck, dass es einem in einer deutschen Großstadt wesentlich schwerer fällt, ein Snuff-Video an jeder Straßenecke kaufen zu können oder einen Kannibalen im Bus zu finden.
Die Bombenbastelseite in der Boulevardzeitung mit den vier Buchstaben hab ich auch noch nicht gefunden.
Natürlich existieren all diese Dinge auch ohne Internet und schon lange vor diesem. Es dürfte einem im wirklichen Leben allerdings wesentlich schwerer fallen, ungehinderten Zugang dazu zu finden. Das Internet macht neben nützlichen und innovativen Neuerungen halt auch alles Schlechte weltweit und jederzeit verfügbar.
Wer das im Rahmen der aktuellen Zensurdebatte wegdiskutieren möchte, der hat den Bezug zur Realität wohl schon zu weit verloren, um noch brauchbarer Gesprächspartner zu sein…


1 Kommentar

  1. Naja… Ich weiß nicht in welchen „Ecken“ des Netzes du dich herumtreibst, mir ist jedenfalls noch kein „Snuff“ oder Kannibalen oder ähnliches begegnet. Dafür wurden mir auf der Straße einer schwäbischen Kleinstadt bereits scharfe Schusswaffen angeboten (Kein Witz). Ist mir im Netz noch nicht passiert. Da der Tatort ein Bahnhof war plädiere ich hiermit für Stopschilder vor allen Bahnhöfen – wenn man die Dinger schon nicht stilllegen kann ;-)

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