Wozu hat man eigentlich Kinder?

Kindergarten

Ich stelle mir im Alltag immer wieder die Frage, warum manche Menschen Kinder haben. Da sind die Fälle offensichtlicher Vernachlässigung, wenn die Eltern das Kind nur noch vor dem TV parken. Da sind die Fälle von schlechtem Vorbild, wenn Mama oder Papa rauchend neben einem Kleinkind stehen. Da gibt es die Fälle charakterlicher Nichteignung, wenn Kinder von ihren Eltern nur noch angebrüllt und erniedrigt werden.

Was jetzt neu auf meiner Liste steht, ist der „Trend“, Kinder rund um die Uhr in die Krippe oder Kita geben zu können. Da kann man sich des Nachwuchses schön bequem entledigen, ihn zwischendrin nochmal zum Schlafen abholen und am Wochenende schick im angesagten Cafe neben dem Spielplatz und bei den begeisterten Großeltern vorzeigen.

Vor kurzem hat mich jemand auf eine Kinderpflegeeinrichtung im Osnabrücker Land hingewiesen. Dort handelt es sich zwar nicht um eine 24 Stunden-Kita, aber die Regelöffnungszeiten sind mit Montag bis Freitag von 5:00 bis 23:00 Uhr schon sehr nah dran.

Laut dem exemplarischen Tagesablauf auf deren Webseite kann man sein Kind um 5:00 Uhr bringen, danach wird das „Einleiten einer zweiten Schlafphase angestrebt“. Nach dem Frühstück gibt es dann bei Bedarf auch einen Bringdienst zur Kita/Schule. Währenddesen findet ein breiter Reigen an Angeboten und Essensgelegenheiten statt.  „Bett- und Ruhezeit“ ist dann ab 19:30 bis 23:00 Uhr.

Wie genau muss ich mir das dann denn vorstellen?

  • Ich reiße mein Kind morgens so früh aus dem Bett, dass es um 5:00 Uhr in der Großtagespflege ankommt
  • Dann dort nochmal schlafen und später zur Kita oder Schule gebracht werden
  • Mittags wahrscheinlich wieder die Abholung dort (das impliziert jedenfalls der angebotene „Hol- und Bringdienst“)
  • Der Nachmittag kann in der Einrichtung verbracht werden
  • Abends dann die Möglichkeit dort zu schlafen, gegen 23 Uhr werden aber einige Kinder nochmals aus dem Bett geholt und zuhause wieder ins Bett gebracht

Klasse, da braucht man sich ja bei entsprechenden zeitlichen Wünschen als Elternteil so gut wie gar nicht mehr um den eigenen Nachwuchs kümmern. Okay, morgens oder abends hat man ggf. die anstrengende Aufgabe, mit einem noch/schon schlafenden Kind das Bett zu wechseln. Unangenehm, muss man dann aber wohl durch.

Kindergarten

Die Einrichtung ist nach deren Angaben geeignet für Kinder von 0 bis 14 Jahren. Bei einer Gruppengröße von 16 Kindern, können maximal 10 gleichzeitig anwesend sein. Mir stellt sich da in erster Linie die Frage, ob und wie sich bei einem derart breiten Alterspektrum altersgerechte Grüppchen zusammenfinden können. Es scheint einen Hauptraum zu geben, in dem laut Webseite auch noch die Büroecke untergebracht ist, um eine optimale Aufsicht zu ermöglichen. „Aufsicht“ ist übrigens ein schöner Begriff. Da sind dann Kinder verschiedenster Altersstufen in einem Raum und es wird eine „Aufsicht“ ausgeübt. Ich dachte immer, man geht bei der Kinderbetreuung individuell auf die Bedürfnisse der Kinder ein, wo dann diese Begrifflichkeit für mein Verständnis völlig fehl am Platz ist.

Und wenn Kinder mal ihre Ruhe haben möchten oder schlafen wollen? Dann gibt es einen Schlafraum mit 4 Schlafplätzen, in dem allerdings auch die Hausaufgaben erledigt werden sollen. Eine „pädagogische Fachkraft“ kann die Kinder hierbei unterstützen. Mindestens zwei Tagespflegepersonen betreuen gleichzeitig 6 – 10 Kinder. Es wird leider nicht deutlich, ob die Hausaufgabenbetreuung extra läuft, denn sonst wäre ja eine Kraft mit den anderen Kindern alleine in einem anderen Raum.

Na gut, vielleicht hellt sich meine Laune ja bei der Betrachtung des Teams ein wenig auf. Da sind also die beiden Inhaber, die sicherlich entsprechend ausgebildet sein mögen und dann noch der Bereich „Weitere Mitarbeiter“:

  • 1 x staatlich anerkannte Erzieherin mit Schwerpunkt Krippe (auf Abruf)
  • Praktikanten
  • 1 x Schülerin
  • 1 x Sozialassistent und Schüler

Für mein Empfinden lese ich dort zu oft Praktikant und Schüler. Das es bei der Kraft mit Schwerpunkt Krippe um eine Stelle auf Abruf handelt: Geschenkt.

Kindergarten

Mir läuft es kalt den Rücken runter, wenn ich mir vorstelle, dass ich meine nun fast dreijährige Tochter derart umfangreich betreuen lassen müsste. In der Eigendarstellung wirbt die Großtagespflege damit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen zu wollen. Von welcher Familie reden wir denn, wenn wir unsere Kinder zwischen 5:00 und 23:00 Uhr abgeben können. Wenn wir bereit sind, auch kleinste Kinder vor 5 Uhr morgens zu einem Wechsel ihres Bettes zu zwingen, im schlimmsten Fall das Spiel abends um 23 Uhr nochmals zu wiederholen.

Wer bereit ist, das mitzugehen, sollte sich vielleicht nochmal ganz genau Gedanken über den Wunsch nach eigenem Nachwuchs machen…

Autor: Parkrocker

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