Bürgerinitiative naturnaher Schinkel

Osnabrück hat seit vielen Jahren ein Problem mit der Schaffung neuen Wohnraumes. Regelmäßig trifft die Stadt Osnabrück bei der Änderung von Flächennutzungs- und der Aufstellung von Bebauungsplänen aber auf den Widerstand von Osnabrücker Bürgern. Unter diesen scheint eine „Not in my Backyard“-Einstellung weit verbreitet.

Neuer Wohnraum? Gern, aber bitte nicht in der eigenen Nachbarschaft. Und wenn überhaupt, dann auf keinen Fall bezahlbare (Sozial)wohnungen. Es soll ja hübsch bleiben in der Nachbarschaft.

Symbolbild

Absurde Stilblüten treibt es nun im Osnabrücker Stadtteil Schinkel aus, in dem sich eine „Bürgerinitiative naturnaher Schinkel“ mit Händen und Füßen sowohl gegen die neuen Nachbarn, als auch gegen wissenschaftliche Erkenntnisse und letzten Endes auch die Realität auflehnt.

Größtenteils landwirtschaftlich genutzte Ackerfläche soll dort einem Wohngebiet weichen und aus dem Acker wird nun kurzerhand ein wichtiger Naturraum gemacht.

Für die Gegner der Bebauung sind die Ackerflächen wichtiges Naherholungsgebiet, ein Rückzugsort für Rehe, Füchse, Fasane, Fledermäuse und eine große Krötenpopulation.

Die Bürgerinitiative zieht sogar Diplom-Biologin Birgit Potthoff aus der Tasche, welche die vorgesehenen Dachbegrünungen laut der Neuen Osnabrücker Zeitung als größten Unsinn bezeichnet haben soll, welchen sie je gehört hätte.

Schauen wir uns in dem Kontext doch mal an, was Wikipedia dazu schreibt:

Vorteile

    • Verbesserung des Raumklimas. Durch Verdunstung des gespeicherten Regenwassers kann sich das Raumklima der direkt darunterliegenden Räume im Sommer abkühlen. Dadurch kann gegebenenfalls auf eine Klimaanlage verzichtet werden. Durch die Dämmwirkung der Dachbegrünungsschicht kühlen die darunterliegenden Räume im Winter weniger aus. Eine Dachbegrünung entspricht je nach Ausführung einem bis zu 80 mm dicken Dämmstoff der Wärmeleitgruppe (WLG) 040.
    • Wasserrückhaltung. Da ein begrüntes Dach mehr als die Hälfte des jährlichen Niederschlags wieder verdunstet, werden Siedlungsentwässerung und Kläranlagen entlastet.
    • Verbesserung des Stadtklimas. Dachbegrünungen können Staub und Schadstoffe aus der Luft filtern. Zudem wird der Aufheizung der Stadt durch die zahlreichen versiegelten Flächen entgegengewirkt.
    • Ersatzhabitat. Es kann neuer Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten – beispielsweise Vögel und Schmetterlinge – geschaffen werden. In Berlin wurden auf Gründächern mehr als 50 verschiedene Honig- und Wildbienenarten gezählt.
    • Bei Kombination mit Photovoltaik-Elementen wird durch den kühlenden Effekt der Bepflanzung der Wirkungsgrad der PV-Anlage gesteigert.
    • Optische Aufwertung des Gebäudes.

Quelle

Man könnte nun geneigt sein, eine Dachbegrünung als durchaus sinnvoll zu betrachten…

Vielleicht geht es aber gar nicht um die Dachbegrünung, Tiere oder einen Acker – sondern einfach nur darum, dass der eigene Blick ins Grüne nicht verbaut wird.

Stichwort Nimby

Nimby steht als englischsprachiges Akronym für Not in my backyard („Nicht in meinem Hinterhof“, „Nicht in meinem Bereich“). Es steht für eine ethische und politische Position, die darauf bedacht ist, Probleme nicht im unmittelbaren Umfeld zu ertragen.

Der Nimby-Ansatz wird besonders in Diskussionen um die Ansiedlung von marginalisierten und diskriminierten Gruppen (Obdachlose, Flüchtlinge), aber auch um den Aufbau von Industrie-Standorten, Mülldeponien, Lagerung radioaktiven Abfalls, Mobilfunkmasten, Wohnungsbau etc. verfochten. Dabei kommen teilweise auch soziale oder ökologische Argumente zum Einsatz.

Effekte von Nimby sind z. B. ein Nimby-Lobbyismus von Gruppen, die ihr Eigentum oder ökonomische Interessen schützen wollen (Eigenheimbesitzer, Eigentümer von Geschäften, am Tourismus Beteiligte usw.). Auch der Müllexport, die Ausbildung ethnischer Ghettos oder die Schaffung von großen, abgelegenen Flüchtlingseinrichtungen sind auf diese Haltung zurückzuführen.

Der aus den USA stammende Begriff bezeichnet insbesondere eine Geisteshaltung von Personen, welche die Vorteile moderner Technologie zwar nutzen, im eigenen Umfeld aber keine Nachteile in Kauf nehmen wollen (vgl. Trittbrettfahrerproblem). Diese Nachteile versuchen Nimbys auf andere Mitglieder der Gesellschaft abzuwälzen, was sie auch schaffen, wenn sie sich stark genug Gehör verschaffen können (Sankt-Florians-Politik).

Quelle