Jobcenter Osnabrück, Instagram, WhatsApp und ein Datenschutz-Fiasko

Das Jobcenter Osnabrück möchte sich scheinbar modern und attraktiv für die Zielgruppe der Kundinnen bis 25 Jahre geben. Was liegt da näher, als wenn jemand in einer verstaubten Amtsstube bei seinen Enkeln mal was von Instagram aufgeschnappt hat und sich erinnert, dass sein Provider ihm damals ein Smartphone mit diesem WhatsApp in die Hand gedrückt hat. Also schnell mal einen Account bei Instagram aufsetzen und los gehts. Die Kundinnen und sonstige Interessierte finden dann diesen Account vor:
Jobcenter Osnabrück U25 (Achtung: Externer Link führt direkt zu Instagram!)

</ironie aus>

Instagram für Behörden ist ein heikles Thema, die Mitarbeitenden im Jobcenter Osnabrück treiben das nun aber auf die Spitze. Fangen wir mit einem kleinen Rundgang durch die Beiträge an.

Kommentarfunktion abgeschaltet

Auf den ersten Blick scheint man dort bemüht, schreibt davon, dass die Kommentarfunktion aus Datenschutzgründen abgeschaltet würde. Es wird eine Mailadresse als Kontaktmöglichkeit genannt.

Quelle: Instagram-Post vom 09.10.2020 (Achtung: Externer Link führt direkt zu Instagram!)

Was geneigte Besucherinnen nicht erfahren, ist, was mit den Nachrichten passiert, welche man ggf. doch über Instagram an diesen Account sendet. Werden diese dennoch gelesen? Von wem? Wie werden die Daten gespeichert? Sollte und dürfte ein Jobcenter überhaupt einen solchen Account benutzen, wenn nicht sichergestellt werden kann, dass Besucherinnen über die eingebaute Nachrichtenfunktion keine Sozialdaten hinterlassen können?

WhatsApp zur Fallbesprechung

So richtig heiß laufen dürften aber alle Datenschützerinnen, wenn diese sich folgenden Beitrag über die Verwendung von WhatsApp zwischen den Mitarbeitenden des Jobcenters Osnabrück anschauen:

Quelle: Instagram-Post vom 10.12.2020 (Achtung: Externer Link führt direkt zu Instagram!)

Mal abgesehen davon, dass ich persönlich derart viel jugendlichen Enthusiasmus für reichlich übertrieben dargestellt halte, wissen wir nun also, dass Mitarbeitende des Jobcenters über WhatsApp konkrete Fälle besprechen – oder dies zumindest behaupten.

Fraglich ist, inwieweit selbst mit Einverständnis der Kundinnen der Schutz der Sozialdaten auf eine derartige Art und Weise beeinträchtigt werden dürfte.

Impressum nicht DSGVO-konform erreichbar?

Für die vielen Fragen, welche nun aufgelaufen sind, wäre ein direkter Kontakt super. Also suchen wir jetzt mal zusammen ein Impressum.

Prominent in den Story-Highlights erwartet uns ein Punkt „Impressum“:

Leider ist dieser aber vor allem…   …leer:

 

Na gut, zumindest in der Bio wird sich doch ein Link finden. Es wäre ja auch folgerichtig, diese Möglichkeit für einen Link auf Impressum, bzw. besser noch Datenschutzerklärung zu setzen.

Und weil das so logisch wäre, macht man es nicht. Und verlinkt stattdessen zu Linktr.ee.
Keine Pointe.

Linktr.ee dürfte datenschutzinteressierten Personen vor allem für eines bekannt sein:

Nichtkonformität mit der DSGVO

Ein kurzer Check ergibt, was genau passiert, sobald man Linktr.ee aufruft:

  • 16 Cookies
  • 68 Anfragen an Dritte
  • Serverstandort: Vereinigte Staaten von Amerika

Ohne jeden Zweifel ist es aus Datenschutzsicht unverantwortlich, in einem solchen Kontext diesen Anbieter zu verwenden. Verlinkt wird dort nun u.a. auf ein Impressum und den Datenschutzhinweis.

Der verlinkte Datenschutzhinweis (Achtung: Externer Link führt direkt zum Jobcenter!) erwähnt übrigens mit keinem Wort die Nutzung von Instagram oder Linktr.ee. Als Besucherin bleibe ich also völlig im Dunkeln darüber, was mit meinen Daten geschieht, die über Instagram gesendet werden, ob und wie meine Daten bei Linktr.ee geschützt sind und was genau denn nun mit WhatsApp im Jobcenter Osnabrück los ist.

Insgesamt ist das wohl ein Fall für den Bundesdatenschutzbeauftragten.

Fortsetzung folgt…