Sonntagsshopping
Es hat sich viel getan, seitdem die Gewerkschaft verdi Ende 2015 vor dem Bundesverwaltungsgericht in letzter Instanz ein Urteil zur Zulässigkeit von Sonntagsöffnungszeiten bestätigt bekommen hat. Reihenweise sind Gemeinden eingeknickt und haben entsprechende Veranstaltungen abgesagt.
Im Osnabrücker Land ist erst vor kurzem ein Sonntagsshopping abgesagt worden, am letzten Sonntag fand hingegen eine entsprechende Veranstaltung in der Stadt Osnabrück statt.

Weil die Geschäfte nur in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort öffnen durften, gibt es nun ein lautes Wehklagen und Jammern einiger Ladenbetreiber, die ihr Geschäft nicht öffnen durften.
Einige dieser Osnabrücker Geschäftsleute möchten nun wegen der „Chancengleichheit“ gerne am „Sonntag den Onlinehandel“ verbieten. Das zeigt leider wieder einmal in sehr erschreckender Weise, an welchem Punkt sich die Inhaber von stationärem Einzelhandel teils noch befinden.

Dort scheint man tatsächlich davon auszugehen, ein irgendwie verbrieftes Recht auf „Chancengleicheit“ zu haben, anstatt sich voll darauf zu konzentrieren, den stationären Einzelhandel mit neuen Ansätzen und Konzepten für den Kunden zu einem Erlebnis werden zu lassen. Man ist mit sich selber beschäftigt, mit angestaubten Verkaufsräumen und mit Preisen die auch unter Berücksichtigung von Kosten für Personal, Ladenmiete und vielem anderen längst nicht mehr mit der Realität im Onlinehandel wettbewerbsfähig sind. Man möchte, dass sich der Kunde zu einem ins Geschäft bequemt, anstatt ihn da abzuholen, wo er ist: Daheim auf der Couch, mit Smartphone oder Tablet in der Hand.

Die Landschaft im Einzelhandel wird sich mittel- bis langfristig brutal verändern, an die Stelle althergebrachter Verkaufsräume treten dann Showrooms, Pop Up-Stores und dergleichen. Das sind Realitäten, denen sich Betreiber stationären Einzelhandels einfach stellen müssen, auch wenn das verständlicherweise erstmal auch sehr schmerzhaft sein wird.

Wer erinnert sich eigentlich noch daran, wie man in früheren Zeiten vor einem Tressen stand und die Verkäuferin hat einem den gewünschten Pullover aus der Vitrine geholt oder die Packung Zwieback aus dem Regal hinter ihr? Wer wünscht sich das zurück? Wie groß war damals wohl der Aufschrei, als es plötzlich Selbstbedienung gab?

Das größte Problem des lokalen Einzelhandels ist sicher nicht Amazon, sondern das stehen bleiben, ein Verharren im Schockzustand, gelähmt und ohne jeglichen Innovationswillen. Das lässt sich auch ganz sicher nicht durch obskure Forderungen nach einer „Chancengleichheit“ ändern. Schon gar nicht in einer Welt, die durch das Internet halt keinerlei räumlichen oder zeitlichen Beschränkungen mehr unterliegt.