Die ‚ct beschreibt im aktuellen Editoral sehr schön, warum die ganzen Online-Protestaktionen am Ende doch nur wieder verpuffen werden:

Tausende, Zehntausende rufen online zum Protest auf. Ein paar Hundert versammeln sich an Ort und Stelle; der Rest drückt daheim F5 – mal lesen, wie es gelaufen ist.

Wochenlang haben die Leute im Web 2.0 agitiert, während dort draußen – in der Realität 1.0 – echte Politik gemacht wurde. Ach, wäre doch jeder Tweet und jeder Forenkommentar gegen die albernen Stoppschilder eine Postkarte an einen Bundestagsabgeordneten, jeder Blog-Eintrag ein Leserbrief an ein Medium der Ewiggestrigen, mit felsenfester Argumentation und kompetenter Rechtschreibung. Aber wer will sich dafür schon dem Postschalterangestellten unterwerfen! Wir sind im Recht; die anderen haben keine Ahnung.

http://www.heise.de/ct/editorial/

Am Ende wird der ganze Protest (leider) wieder verpuffen. Mit den Piraten ist so wie es aktuell aussieht auf Dauer eh nichts zu bewegen. Der Großteil der analogen Bevölkerung findet die suspekt und schreckt spätestens bei dem Namen Tauss (wegen der wie auch immer gearteten und eventuell medial aufgebauschten KiPo-Kompetenz) oder den aktuellen braunen Vorfällen innerhalb der Piratenpartei auf.

Für den analogen Bürger sind solche Parteien halt nicht wählbar – und genau auf diesen kommt es bei der Bundestagswahl an.

Klar, die Piraten sind aktuell auf einem Höhenflug und erleben eine ungewohnte Aufmerksamkeit. Mal abgesehen von der damit teils einhergehenden Übermütigkeit und Überheblichkeit, bin ich gespannt, wieviele aus der Netzgemeinde den Piraten in einem halben bis ganzen Jahr noch anhängen.
Die meisten aktuellen Sympathisanten klammern sich meiner Meinung nach einfach nur an die Illusion, etwas „ändern“ zu können. Ob da jetzt Piraten oder Butterkäse drauf steht, spielt erstmal keine Rolle.

Fragt sich nur, ob es auf Dauer nicht der falsche Weg sein wird, seine Zeit mit „klarmachen“ zu verschwenden oder ob es nicht doch sinnvoll gewesen wäre, bei etablierten Parteien von innen heraus aufzuräumen. Die Zeit wird es zeigen…