Sonntags auf dem Spielplatz

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Es ist mir ein Rätsel: Hier in unserer Siedlung gibt es einen sehr großen und gepflegten Spielplatz, den aber so gut wie nie jemand nutzt. Die Spielgeräte sind zum großen Teil neuwertig, es gibt keine Hundehaufen, Scherben oder pöbelnden Nachbarn – aber eben auch keine Kinder.

Zuerst hatten wir vermutet, dass der Hauptgrund in den in der Nachbarschaft vorhandenen Gärten der Eigenheime samt Ausstattung mit Spielgeräten zu suchen ist. Mit der Zeit haben wir aber festgestellt, dass die Gärten der umliegenden Häuser zum allergrößten Teil eher mit der Nagelschere gepflegt werden und dort wohl Gartenzwerge Platz haben, spielende Kinder aber nicht.

Vielleicht sind Spielplätze auch einfach aus der Mode gekommen. Wir werden es wohl nicht mehr herausfinden…

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Warum Faulheitsdemokratie nicht funktioniert

Ich habe gestern bei Maischberger erstaunt zur Kennntnis genommen, dass Ingo Appelt langjähriges aktives SPD-Mitglied und aktiver Gewerkschafter ist. Der Mann steht auch in diesen Zeiten nach wie vor zu seiner Partei – aus Loyalität. Das hat mich daran erinnert, wie ich ganz früher gewählt habe. Auch aus „Tradition“ ging das Kreuz an die SPD.

Nun hat sich die SPD unter Schröder ja nicht unbedingt beliebter gemacht. Pleite war Deutschland schon lange Jahre vorher, doch wahrhaben wollte das keiner der Wähler als der Gürtel dann wirklich enger wurde. Man mag zu Hartz 4 und Zeitarbeit unterschiedlicher Meinung sein, aber die Reformen die Schröder angestoßen hat, waren zum großen Teil lange überfällig.

Heute steht die SPD am absoluten Tiefpunkt. Sie kann wahrscheinlich froh sein, wenn sie bei der kommenden Bundestagswahl die 20% knackt.

Fragt sich nur, wie es mit einer ehemaligen Volkspartei überhaupt so weit kommen konnte. Mit der Ära Schröder sind viele Stammwähler abgewandert. Statt sich aktiv in die Partei einzumischen, die man jahrelang gewählt hat, wurde einfach die Flucht ergriffen. Darin spiegelt sich sehr schön die Mentalität wieder, die ich momentan zu erkennen meine. Die Wähler laufen einfach nur noch zu dem, der ihnen das kleinste Übel verspricht. Sie hinterfragen nicht mehr, ob und wie die Wahlversprechen realisierbar sind, sie wollen einfach nur ein oder zwei Kreuze machen und danach für ein paar Jahre ganz bequem ihre Ruhe haben.
Sollte am Ende einer Regierungszeit nicht exakt das gewünschte Ergebnis stehen, wählt man beim nächsten Mal halt eine andere Partei.

Die Frage ist nur, ob Demokratie so funktionieren kann? Durch diese bequeme Faulheit geben wir die Möglichkeit aus der Hand, Politik selber aktiv mitzugestalten. Statt z.B. die SPD permanent zu kritisieren und nach Gesetzen wie dem Zugangserschwerungsgesetz komplett in Grund und Boden zu flamen, wäre aktive Mitarbeit angezeigt gewesen.
Niemand kann erwarten das eine Partei einfach nur so mit einem Kreuzchen die persönlichen Wünsche und Erwartungen befriedigt. Wer etwas ändern und mitbestimmen will, muss sich halt auch aktiv einbringen.

Was hat die SPD denn aktuell noch für andere Möglichkeiten, außer gegenüber der CDU einzuknicken und jedem Mist zuzustimmen? Mit schwindender Mitgliederzahl, wachsendem Politikfrust und dem schwarzen Peter für alles wohl kaum noch welche.

Ich habe in den letzten Monaten und Jahren selber dazu tendiert, die Lösung einfach bei einer jeweils anderen Partei zu finden. So wird sich dauerhaft aber nichts ändern. Solange wir alle immer wieder neuen Versprechen hinterherlaufen, wird auch in Jahren noch jedes Gesetz und jede politische Entscheidung durch Lobbyisten getroffen und von gelangweilten Berufspolitikern abgenickt.

Demokratie kann man eben nicht an der Wahlurne in fremde Hände abgeben…

„Enter den Raab“ weitergedacht

Durch @piratig bin ich auf die Aktion „Enter den Raab“ aufmerksam geworden.

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Vorab muss ich sagen, dass ich kein Fan der Piratenpartei bin. Im Gegenteil: Mir gehen die Piraten auf den Senkel wie ein Sack Flöhe.
Dennoch muss eine gewisse Fairneß bei Wahlen einfach gewahrt bleiben. Ob ich als Einzelperson Piratenbashing bis aufs Blut und mit teils sehr grenzwertigen Argumenten betreibe oder große und wirklich meinungsbildende Medien eine Partei einfach ausklammern, ist ja doch ein gewaltiger Unterschied.

Raab bzw. Pro7 haben die Parteien CDU, CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke für Samstag zur „TV Total Bundestagswahl 2009“ eingeladen. Dort wird am Ende ein nicht wirklich repräsentatives Stimmungsbild zur Wahl entstehen. Bei dem Publikum das dieser Sender im allgemeinen zieht, ist davon auszugehen, das spontan noch Wahlentscheidungen getroffen werden ;)

Pro7 hat auf den Protest der Piratenanhänger mehrmals sehr flexibel reagiert:

ProSieben: Zur TV total Bundestagswahl laden wir nur Parteien ein, die in den letzten Bundestag gewählt worden sind. @kartoffelsupp

ProSieben: Liebe Piraten, es werden nur Parteien zur ‘TV total-Bundestagswahl’ eingeladen, die in den Bundestag gewählt wurden. Sorry.

Für mich sieht es so aus, als ob man mit aller Macht die Piratenpartei aus der Sendung halten möchte und sich darauf passend eine Argumentation strickt.

Liebe Leute bei Pro7: Die Linke wurde auch nicht in den letzten Bundestag gewählt ;)

Bei allem was ich in den letzten Wochen und Monaten zu den Piraten lesen durfte (KiPo-Anklage gegen ein Mitglied, Holocaustleugnung, Interviews in rechten Zeitungen) und bei dem Eindruck den ich von einem Großteil der mir bekannten Mitglieder habe, wünsche ich denen nichts anderes als ein grandioses Scheitern bei der Bundestagswahl.

Als Demokrat stört es mich aber, wie ein großer TV-Sender sich seine eigene kleine Parteienlandschaft zaubert. Ehrlich wäre es, entweder alle(!) zugelassenen Parteien einzuladen oder zu sagen „Sorry, wir laden nur die ein, die uns passen“.

Mehr dazu im Blog von piratig

Vom Demokratieverständnis des Piratenpartei-Vorstandes

Gerade eine interessante Episode zum Demokratieverständnis im Vorstand der Piratenpartei gefunden:

Ahoi! Ich werde jeden Tag ein wenig mehr von dem Vorstand enttäuscht, hier die Folge II von X zum Demokrativerständnis des Vorstandes; heute mal wieder Stefan „Aaron“ König, der sich nicht entblödete folgendes auf der Berliner Mailingliste von sich zu geben:

Stefan „Aaron“ König hat geschrieben:
Ahoi,

hier mein Kommentar zur Kritik von Alexander & Co:

Ich finde die Idee eines Zukunftsministeriums herrvoragend, genau solche Initiativen brauchen wir!

Ja, sie beruht vor allem auf der inidividuellen Arbeit von Pavel Meyer und Christopher Lauer, die Idee wurde nicht in endlosen Foren-, ML- und Wiki-Disskussionen zerredet, und gerade deshalb ist sie so gut geworden.

Das heißt im Klartext: Gute Arbeitsergebnisse kommen nicht in der Zusammenarbeit vieler Piraten zustande, sondern nur in Einzelinitiativen. Und da reichen dann zwei Personen, die sich die Arbeit machen, um den Vorstand davon zu begeistern.

Hier der ganze Beitrag: Vom Demokratieverständnis und dem Bundesvorstand Teil II

Und nochmal als Screenshot, falls er zufällig bald nicht mehr auffindbar sein sollte:

Demokratie bei den Piraten

Also auf Basisdemokratie legt man bei denen ja offensichtlich doch nicht soviel Wert. Bin gespannt was von der vielbeschriebenen Meinungsfreiheit langfristig übrigbleibt…

Polizei-Brutalität bei der Freiheit-Statt-Angst Demo 2009

Dieses Video von der FSA09 ist dem CCC zugesteckt worden. Hintergrund ist, dass der Fahrradfahrer im blauen Hemd Anzeige gegen einen anderen Polizisten erstatten wollte, weil der einen Freund von ihm unter unfreundlichen Umständen („aggro-zecke trifft aggro-polizist“) festgesetzt wurde.

In dem Video sieht man, wie die Polizisten gegen ihn und diverse unschuldige Passanten handgreiflich werden.

Von Teheran nach Berlin

„Wird das Internet die Welt verändern?“ Diese Frage hört man ständig und in immer wieder neuen Variationen. Die Antwort ist mehr als simpel: Nein, das Internet wird die Welt nicht verändern, es hat die Welt bereits verändert.

Ein aktuelles Beispiel dafür sind die Vorgänge nach den Wahlen im Iran. Dort halten die Machthaber mit aller Gewalt an ihren Ämtern fest. Sie schalten Mobilfunknetze ab und sperren das Internet. Trotz dieser Zensurversuche dringen aber täglich neue schreckliche Bilder an die Öffentlichkeit. Für diese Bilder und die damit verbundene Aufklärung der Weltöffentlichkeit riskieren viele Menschen ihr Leben.

Bewirken solche Aktionen im Internet etwas? Greifbare Änderungen wird das Internet nicht in die politische Landschaft im Iran bringen. Ich persönliche erwarte nicht, dass die Machthaber vor der erzeugten Öffentlichkeit kapitulieren.

Dieses Beispiel zeigt aber sehr schön, dass sich der Informationsfluss nicht mehr stoppen lässt. Noch in den 80er Jahren hätten die Bilder (geschweige denn Videos) aus Teheran nicht so einfach ihren Weg um die Welt gefunden. Die Berichterstattung lässt sich nicht mehr unterdrücken, Zensur hat den Weg in vielen Fällen noch nicht in die neuen Medien gefunden oder wird von Bürgerrechtlern unter immensen Gefahren umgangen.

Wenn ich den Faden mal weiter spinne, sehe ich mich in vielen Jahren in einer Gesellschaft, in der jeder Zugang zu allen Informationen hat, korrupte Machthaber und Diktatoren brisante Informationen nicht mehr einfach verbergen können und in der der Bürger wirklich frei und mündig sein wird.

Den Grundstein dafür müssen wir alle schon heute legen und Bestrebungen wie z.B. den geplanten Netzsperren in Deutschland mit aller Macht und entschieden entgegentreten. Hier wird der Grundstein gelegt für eine Infrastruktur wie man sie sich aktuell z.B. in Teheran wünschen würde.

Unter dem Vorwand KiPo verhindern zu wollen, werden Gesetze durchgedrückt, die genau so gut einen Vorhang im Netz vor oppositionellen Parteien, Bürgerrechtsorganisationen oder sonstigen NGO’s spannen könnten.

Wie würde es wohl in 20 Jahren in Deutschland aussehen, wenn zuerst „Killerspiele“, dann gewalttätige Filme, Musik mit expliziten Inhalten und am Ende jede unliebsame Meinung gesperrt würde!?

Wir sind in Deutschland viel zu sehr verwöhnt von Rechten, die anderswo auf der Welt eben nicht selbstverständlich sind. Zu viele Bürger verschließen vor manch einem Gesetz oder einer neuen Reglementierung die Augen, weil sie sich sicher sind, dass „da oben“ ja schon alles korrekt abläuft.

Sie sind davon überzeugt, dass sie ja ihre Rechte haben, die man ihnen nicht nehmen kann.

Aber genau diesen Rechten geht es jetzt an den Kragen und das nicht erst heute mit den KiPo-Sperren, sondern schon seit Jahren mit Lauschangriffen, Trojanern, Postkontrollen im Vorfeld kritischer Veranstaltungen (z.B. G8 Heiligendamm) und vielem mehr.

Heute läuft die Petition gegen die Internetsperren aus. Rafft euch auf und setzt ein Zeichen gegen die Vorhaben der großen Koalition. Nutzt die Gelegenheit um „denen da oben“ zu zeigen, dass sie eben nicht alles machen können was ihnen gerade in den Kram passt. Führt ihnen vor Augen, das wir mehr sind als Stimmvieh, dass sich alle 4 Jahre neu verarschen lässt.

Ihr könnt natürlich auch alles so lassen wie es jetzt ist, weiter eurer geregelten Arbeit nachgehen und abends in eure sicheren 50 Quadratmeter Deutschland flüchten. Ihr müsst euch nur fragen, ob ihr noch in dem Land leben wollt, dass euch dann eines Morgens vor eurer Haustür erwarten wird…

Mitzeichnen hier!

Webentwicklung im 400 Euro-Minijob

Seit sich um den Webworker an sich die wildesten Mythen über seine Verfügbarkeit, Belastbarkeit und unglaubliche Flexibilität ranken, kommen immer mehr unpassende bis dreiste Jobangebote auf den Markt.
Den Vogel abgeschossen hat für mich eine Firma aus Niedersachsen. Diese sucht auf den Webseiten der Arbeitsagentur einen „Webentwickler für die eigene Homepage auf 400,- Euro Basis“.

Stellenangebot

Das ganze soll in „Teilzeit – flexibel“ erfolgen – was auch immer man sich bei der Vergütung darunter vorstellen darf.

Da meine Neugier wieder mal zu groß war, habe ich dem Unternehmen kurz meine Unterlagen zugesendet. Nachgewiesen habe ich darin u.a. Qualifikationen in den folgenden Bereichen:

Webentwicklung

  • Konzeption und Gestaltung
  • Planung der technischen Anforderungen
  • Webprogrammierung (z.B. HTML/XHTML, CSS, PHP, MySQL)
  • Redaktionssysteme (z.B. WordPress, Joomla, Drupal)
  • Datenbankanbindung
  • Suchmaschinenoptimierung
  • Zugriffsanalyse

Netzwerkmanagement Linux und Windows

  • Installation und Administration von Mail-, File-, Datenbank- und Webservern, Firewalls, etc.
  • Fehleranalyse und -behebung
  • Datensicherung und -sicherheit, Netzwerksicherheit
  • Benutzer- und Zugriffsverwaltung
  • Benutzerbetreuung (Help Desk)
  • Migrationskonzeption und -durchführung
  • LAN-, WAN-, WLAN-Anbindung

Heute hatte ich die Antwort im Briefkasten. Mehr noch als über die Absage, war ich über die Begründung erstaunt:

Absage

„Ausbildung und Erfahrung“ entsprechen bei den von mir genannten Anforderungen also nicht dem geforderten Profil?

Mit Verlaub: Abgesehen davon, dass ich die sehr schwammig formulierten Anforderungen voll abdecke, reden wir von einer Webseite, die sich bisher auf dem Niveau hier befindet:

Webseite

Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg bei der Suche nach einer für diesen anspruchsvollen Job ausreichend qualifizierten Person – die sich im Idealfall auch von Luft ernähren kann… :D